Stuttgart-Weilimdorf | Der Weilimdorfer Untergang: Markungsumgehung in der Heimatstube

Der Weilimdorfer Untergang: Markungsumgehung in der Heimatstube

Donnerstag, 09.06.2016, 15:45

Mit "Untergang" verbindet man die Titanic, aber auch biblisch gesehen den Weltuntergang. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es in Weilimdorf regelmäßig alle drei Jahre den Untergang - der gesamte Ort war auf den Beinen und hat eine "Markungsumgehung" durchgeführt: die Grenzsteine des Ortes und seiner zugehörigen Felder wurde geprüft, 322 an der Zahl. Und fehlte einer, gab es Ärger.

Siegfried Erb, einst im Berufsleben ein "ausführender Flurbereinigungsingenieur", ging sichtlich in den Erzählungen über die Geschichte der Grenzsteine und Kleindenkmäler in und um Weilimdorf am Mittwochabend in der Heimatstube zwischen Karten, Geräten und "Grenzsteinzeugen" in seinem Element auf: Zur Erfassung und Dokumentation der Kleindenkmale und Markungsgrenzsteine in Baden-Württemberg wurde im Jahr 2001 ein landesweites Projekt durch das Landesamt für Denkmalpflege am Regierungspräsidium Stuttgart ins Leben gerufen. Unterstützt wird die Gemeinschaftsaktion vom Schwäbischen Heimatbund, des Schwäbischen Albvereins, des Schwarzwaldvereins, der Badischen Heimat und der Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale. Seit 2008 beteiligt sich zudem der Weilimdorfer Heimatkreis e. V. mit einer Gruppe von Mitgliedern und interessierten Bürgern an der Aktion. Siegfried Erb war federführend an dem Projekt für Weilimdorf aktiv und hat die neue Ausstellung in der Heimatstube liebevoll ausgestaltet - "ich kam nicht drum rum!", so Erb schmunzelnd.

Da die Erfassung der Grenzsteine und Kleindenkmäler strenge Vorgaben hatte, zog sich das Projekt über gut acht Jahre hinweg. Die 322 Grenzsteine und 24 Kleindenkmäler auf Weilimdorfer "Gemarkung" wurden über die Jahre hinweg mit "neuzeitlichen Untergängen" aufgespürt, vermessen, fotografiert und kartiert. Das neue Heimatblatt, die Ausgabe Nr. 38 des Heimatkreises, zeigt die Arbeit und Ergebnisse in Text und vielen Fotos, so Erika Porten und Eberhard Keller vom Vorstand des Heimatkreises.

Grenzsteine, Markierunge und Landmarken gibt es bereits seit babylonischen Zeiten, so Siegfried Erb. Denn mit Beginn der Herrschaftsgebiete war die Erde keine reine unendliche Kugel ohne Grenzen mehr - die Herrschaftsgrenzen mussten aufgezeigt werden: "Tiere setzen Duftmarken, Menschen Grenzsteine!", lacht Erb. Die Geschichte der Landvermessung reicht von anfangs einfachen Ortientierungsmarken wie Türmen hin zu Steinkreuzen oder gravierten Steinen. Selbst die Römer "kartierten" bereits ihre Städte, um Grundsteuer erheben zu können - allerdings nicht in Form von Karten sondern von "Grundkarten" mit textlichen Beschreibungen der Häuser wie Villen der römischen Bürger. Bis über das Mittelalter hinaus erfolgte die Grundbesteuerung der Herrschenden über "Lagebücher" mit Inhalten wie "so heißt der Nachbar" oder einer Flächenmaßangabe zur Besteuerung.

Erst mit dem 19. Jahrhundert begann die rasante Entwicklung der Landvermessung: 1806 wurde Württemberg von Napoleon zum Königreich aufgewertet - Regionen zusammengelegt, die für die Grundbesteuerung unterschiedlichste Kataster führten, unterschiedlichste Maß-, Gewichts- und Entfernungseinheiten verwendeten. Kein Zustand in einem Königreich. Damit sollte ab 1818 ein Schlussstrich gezogen werden - die Landesvermessung begann: die Solitudestraße quer durch Weilimdorf ist das "lebendige Zeugnis" dieses historischen "Moments", der erst 1840 abgeschlossen war. Was heutzutage mit Flugzeugen per Photogrammetrie, am Boden mit Theodoliten und Computerberechnungen am Schreibtisch erledigt wird, war vor rund 200 Jahren pure Handarbeit im Außengelände mit "Triangulationen" entlang der Strecke vom Schloss Solitude zum Schloss Ludwigsburg. Spiegelquadrant, Spiegelsexstant, Nivellierungsinstrument, Visierlineal, Stechzirkel und Transversalmaßstab waren die Handwerksmittel. In der Heimatstube wird hierzu ein Ausschnitt aus der Sendung "Ganz schön vermessen" des Schulfernsehens aus dem Jahr 1999 gezeigt, was der SWR dem Heimatkreis freundlicherweise zur Vorführung genehmigt hat.

Mit der Kartierung des Landes endeten die "Untergänge" im Laufe des 19. Jahrhunderts, in Weilimdorf sogar erst 1926, kurz bevor der Ort mit Feuerbach zusammengelegt wurde. Die Grenzsteine verloren zunehmend ihre Bedeutung, viele gingen durch Flurbereinigungen in den letzten Jahrzehnten verloren. Nur in Waldbereichen sind sie auch noch heute weit verbreitet zu finden, so auch rund um das Fasanenwäldchen zwischen Weilimdorf und Hausen. Viele von ihnen sind nun durch den Heimatkreis und seine Arbeitsgruppe gefunden und archiviert: eine Übersichtskarte in der Heimatstube zeigt sie alle - denn die, die es noch gibt, wurden natürlich nicht ausgegraben um in Ausstellungen zu landen. Sie dienen weiterhin als Grenzsteine, markieren alte Grundstücksgrenzen, wenngleich sie heutzutage eher nur noch symbolischen Charakter haben - ein faszinierender Blick in die Vergangenheit sind sie allemal, wenn man sich vorstellt dass sie von den Bewohnern wie Weilimdorf früher abgelaufen & kontrolliert wurden: Ein Dorffest zum Abschluss markierte den Erfolg der Aktion.

Die Ausstellung und das neue Heimatblatt werden am Freitag, den 10. Juni 2016 um 19.30 Uhr eröffnet und vorgestellt. Die Ausstellung kann bis Mitte Januar 2017 immer samstags zwischen 15-17 Uhr in der Weilimdorfer Heimatstube in der Ditzinger Straße 7 besichtigt werden. Der Eintritt ist frei – der Weilimdorfer Heimatkreis e. V. freut sich jedoch über eine Spende. In den Sommerferien ist die Heimatstube geschlossen.

Eine umfassende Bildergalerie zur neuen Ausstellung kann auch auf der Webseite des Weilimdorfer Heimatkreis eingesehen werden.

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